Musikstationen

2010

„So ist das Spiel” – erscheint nach 14 Jahren solistischer Studiopause.  Ein neues SW-Album – entspanntes, zeitloses Musik-Kino – so die Kritik.
SW arbeitet bei diesen Songs zusammen mit Gästen wie Alice, Nena, Annett Louisan, Jan Josef Liefers, Sasha. Henning Wehland .Es ist neben Louisiana wohl das authentischste SW-Album.

Der Alte Wolf, 2010

Vierzig Jahre ist er sich jetzt treu geblieben. Die Tatsache dass sich Stefan Waggershausen  im Lauf der Jahre selbst geschaffen hatte, dringt in diesem Song nochmals eindeutig hervor. Er war, ist und  bleibt der coole Geschichtenerzähler, in Dylan und Cohen Tradition und er demonstriert hier nochmals nichts weiteres als was diese Jahre an Wert gehabt hatten, wie er und sein Sound in unser Bewusstsein eingedrungen sind. Die Zukunft erstrahlt auch als grauer Wolf aufregender denn je. In seiner Musik schwebt der Geist der Zustimmung, des freien Humors, des guten Sex und der Sehnsucht nach MEHR! - mehr gutes Leben – und der Entschlossenheit, Pluralität und Dramatik in einem Deutschland zu entdecken, das wir allzu häufig als Monolithen erlebt haben. Seine Songs und seine Erzählungen verbessern unseren Alltag.
Seit seiner Reise nach Louisiana, 1995 hatte sich etwas in Waggershausen verändert; was es genau war, weiss nicht einmal er, aber wenn man dem Mann heute zuhört, wie er seine eigenen Schritte zurückverfolgt, so spürt man, dass ein gewaltiger schöpferischer Ehrgeiz in ihm freigesetzt wurde, als er entdeckte, dass es jenen Ort, der Zauber in sein Leben gebracht hatte, tatsächlich gab. Das war die Musik gewesen, natürlich – Rock n Roll aus New Orleans, die Bajou people, Robert Johnson und seine Gibson Gitarre – und Waggershausen hatte schon die Theorie im Kopf, dass das Land die Musik macht. Aber da waren auch die Familiengeschichten und die örtlichen Legenden; die unerklärlichen aufregenden fremden Namen, die plötzlich auf Reklametafeln  vor einem auftauchten oder über schlecht zu hörenden Radiosender zwischen Geigen und Predigten ans Ohr drangen. Die Wirklichkeit von Louisiana  machte den Zauber nur noch leidenschaftlicher. Das hier war eine andere Welt, an deren Oberflächen es mehr gab als in Deutschlands tiefsten Tiefen, man konnte dieser Welt nachjagen, ihr zuhören, von ihr lernen und sie nach Hause tragen.
Vielleicht erzählt uns Stefan Waggershausen heute, dass man sich dieser Welt sogar anschliessen kann – seine Reise ist längst nicht vorbei.

B. Burton

„Wolf“ ist – analog zum „Engel“ 30 Jahre früher – so ein aus der Hüfte geschossenes Lied, Idee, Text schreiben, Gibson in die Hand nehmen und MACHEN.
„Lächeln beim Abschied“ ist vermutlich einer der intimsten Songs die ich je verfasst habe, na ja die Lyrics und die Gitarre erzählen eben mein Leben ….
Und das muss ja nicht mein letzter Walzer gewesen und es müssen ja nicht wieder 14 Jahre Pause sein.

To be continued … so SW

2003

Seit 2003 schreibt SW Lieder fuer andere Kuenstler sowie diverse TV-Musik, vor allem Songs fuer die ZDF/KiKa Serie „Siebenstein“.

1998 – 2000

SW zieht sich als Solo-Artist ueberraschend zurück und konzipiert das Projekt Wolke 7. „Wolke 7 – das Musik Märchen“ geschrieben, komponiert und produziert von SW wird in Zusammenarbeit mit Nena, den Prinzen, Ingolf Lueck, Till Brönner, Loona, EAV, Wolfgang Fiereck, Michael Schanze, Enie van de Meiglöckjes, der 3. Generation und Laura erfolgreich veröffentlicht…..

Solang du jung in deinem Herzen bist (2000)

Eine kleine Hymne für das neue Jahrtausend. Die Kraft liegt in der simplen Umsetzung einer leidenschaftlichen Sehnsucht nach Jugend, Unschuld und echten Emotionen. Der Text ist voller Einfühlungsvermögen und Wärme. Der Sound erzeugt schon im Intro Gänsehaut,  lässt  uns schaukeln – auch wegen des perfekten Einsatz von Dudelsackklängen und eines Kinderchors.  “Solang du jung in deinem Herzen bist” ist ein Song, der inmitten des Chaos der Gegenwart, der falschen Versprechen und des erdrückenden Jugendkults, einen Augenblick der Klarheit und Authentizität erschafft. Positive Begriffe von Jungsein, Träumen, Herzblut oder Unschuld werden hier nicht ihrer Glaubwürdigkeit beraubt. Waggershausen ist längst ein Poet der Grenzen, der Menschlichkeit, der Liebe, der Träume, auch der Ängste, und er ist mit diesem Song einmal mehr in einen Bereich des deutschen Pop so tief wie überhaupt möglich eingedrungen, er hat ihm dabei Schönheit und Würde verliehen – natürlich immer mit einem amüsierten Augenzwinkern.    
B. Burton

1997

„Die Rechnung kommt immer“ mit dem Duett „Bienvenido a Salome“ Zusammenarbeit mit der Hollywood Schauspielerin Maria Conchita Alonso.

1996

Waggershausens Louisiana-Projekt wird für den Echo nominiert.

Louisiana, 1995

Der Blues entstand aus der Notwendigkeit, in jener brutalen Welt leben zu müssen, die auf der Lauer lag, sobald man den Fuss aus der Kirche setzte. Das ist Louisiana.
Die Gibson Gitarre von Waggershausen spielt diese Düsterkeit wunderbar an. Es ist eine geheimnisvolle Erfahrung, die mit dem Kampf zwischen Gott und dem Teufel begann, dem Vermächtnis einer wunderbaren Melancholie,   und im Schatten des grossen Bluesmannes Robert Johnson endet. Stefan steckt fest in diesem Louisiana, er denkt an eine Frau, aber in erster Linie tröstet er sich mit diesem Song, indem er nochmals klar macht, dass der Blues die Schrecken der Welt, der Schmerz der Trennung und des Verliebtseins besser erträglich macht.
Aber der Blues machte diese Erfahrung eben auch realer, abgründiger, bedrohlicher.  Wer einmal jenseits irgendeiner unsichtbaren Grenze gewesen war, konnte nicht mehr zurück. Das Gewicht des Blues von Robert Johnson war gross genug, um die Erlösung als Witz erscheinen zu lassen. Man läuft ohne sich von der Stelle zu bewegen, fort von einem Schrecken, an den man nicht glauben kann, hinein in eine Sicherheit, der man nicht vertraut. Das ist das alte Louisiana. Das ist  die alte Geschichte des Blues, von der die Menschen im Süden Amerikas vielleicht nie mehr loskommen….und vielleicht kommt Stefan Waggershausen davon auch nicht mehr los. Hier irgendwo sind seine Wurzeln als Geschichtenerzähler. Hier fühlt er sich als Songschreiber zu Hause. Louisiana, 1995 macht  klar, dass in ihm Möglichkeiten stecken, die er gerade erst wieder anfängt zu begreifen und zu entdecken…..ein unheimlich starkes und befreiendes Gefühl.

B. Burton

„Aufgenommen in Crowley – Louisiana. In New Orleans und Crowley, dem Mastertrack Studio von Jay Miller, in dem auch schon Paul Simon und John Fogerty von CCR auf der gleichen alten Studiocouch wie ich zur Produktion Platz genommen hatten, im A-House wo sich die lokalen Heroes und die Cajuns versammelten um die beiden „Squareheads“ Udo Arndt und SW neugierig zu begutachten. Ok, da war ich dann wohl endgültig angekommen im Süden, dem Tiefen. War sicherlich die bisher schönste Zeit  in meinem musikalischen Tagebuch. Wir haben seinerzeit ein Road-Video zu „Huck Finn“ gedreht, welches versucht hat die dichte Atmosphäre Louisianas einzufangen. Abenteuerliche Sequenzen in den Swamps und NOPD-Officers die deutsche Lyrics mitsangen. Leider ist bis heute das Film-Material zum zweiten Video „Wer war heut Nacht hier“, verschollen. Ein Jammer!“

SW

1995

„Louisiana“ wird in New Orleans und im Atchafalaya Bayou im Südwesten Louisianas produziert und auch Teile des späteren Albums „Die Rechnung kommt immer“ werden hier aufgenommen. Das Road-Video „Huckleberry Finn“ entsteht ebenfalls im Tiefen Süden.

1994

SW besucht Studios in Los Angeles, New Orleans, New York und  entdeckt endgültig die Musik der Südstaaten für sich. Ein Voodoo-Prediger erzählt ihm die Story von Cross Roads und in einem abgelegenen Guitar Store Louisianas kommt es zur legendären Begegnung zwischen Gibson und Waggershausen…

1993

„Wenn Dich die Mondfrau küsst“ (mit dem Duett „Jenseits von Liebe / Love is in vain“ in Zusammenarbeit mit Ofra Haza). Ein musikalisches Werk mit phantasievollen Pop-Chansons über Mondfrauen, Silberzungen-Teufel, Desperados, fatale Liebe & Einstein’s Kinder. Das Album erscheint mit einem Streich-Quartett-Opener und wirkt im ersten Moment verwirrend. Doch schon hier beginnt sich klar abzuzeichnen, dass SW textlich und musikalisch einen neuen Weg gehen will. Songs wie „Der Drache in mir“, „Silberzungenteufel“, „Einstein’s Kind“ sind ANDERS  und die Zusammenarbeit mit Zachary Richard (Cajun-Ikone am Knopfakkordeon) signalisiert SWs Weg Richtung Musik der Suedstaaten.

Der Drache in mir schläft nie fest, 1992

Man könnte sagen, ein existenzialistischer Song.
Der Klang seiner Stimme verrät uns, dass es vielleicht sein grösster Wunsch ist, einfach mit seinem Drachen allein gelassen zu werden. Doch er ist mit weit aufgerissenen Augen und Ohren auf die Welt gekommen, und es entgeht ihm nichts. Er kann nicht aufhören, Fragen zu stellen. Stefan Waggershausen ist der geborene Storyteller. Und vielleicht ist das der Grund für diesen Song, und für seinen Dialog mit Gibson, diesem Drachen in ihm drin.
Spricht  hier die Gibson Gitarre? Ist dies der Beginn eines geheimnisvollen Dialogs? Oder spürt SW eine Sorge um sich selbst?
Sind es diese Zweifel, die ihn quälen? Und was wäre, wenn der Drache in ihm wirklich erwacht? Spürt er vielleicht, dass seinem musikalischen Werk eine bestimmte Befriedigung fehlt, die uns zum Beispiel Mick Jagger verschaffte, als er brüllte, dass er keine finden könne.  Dass vielleicht ein guter Teil des Publikums den Sinn für Songs verloren hat, die von irgend etwas draussen in der Welt handeln, die ein Geschichtenerzähler wie Waggershausen versucht real zu machen? In seiner Musik steckt nämlich mehr, als bloss eine Oberfläche, die über die Radiosender Verbreitung findet. Seine Musik gibt uns in den stärksten Momenten das Gefühl, an einem Abenteuer teilzunehmen.  Die Frage damals war bloss, konnte und wollte Stefan Waggershausen seinen Drachen freilassen…..

B. Burton

„Ein sehr autobiographisches Lied. Manche Lieder und Texte schrieb ich wohl auch, um mich selbst zu beschuetzen. Zachary Richard habe ich damals durch Willy de Ville kennengelernt und bei „Drache“ und „Silberzungenteufel“ das erste Mal mit einem Louisiana-Homeboy zusammen gearbeitet. Wir wollten damals eben was Schräges arrangieren und so ist dieser Mix von Streichquartett, Dobro und Cajun-Akkordeon entstanden. Ich denke ich habe in diesen Tagen und Wochen meine musikalische Identität gefunden!“

SW

1991

Waggershausens erstes Best of – Album „Herzsprünge“ wird veröffentlicht incl. 2 neuer Songs („Rikki und Rosi“ & „Laura“) und erreicht ebenfalls Goldstatus.

Rikki und Rosi, 1991

Manchmal kann uns SW einen kalten Schauer über den Rücken jagen.
Rikki und Rosi trägt den ironischen Sound einer Coen-Brother-Komödie – die dann cool und blutig mit einem Loch im Kopf endet.
Hier gibt Stefan Waggershausen schon fast auf frivole  Weise bekannt,  das Leben sei in der Tat ein Witz und die Lacher gebührten seinem Schöpfer. Manchmal denkt man, dass Waggershausen eine derartige Angst vor seiner Sensibilität hat, dass er sie einfach auf das Publikum übertragen muss. Wenn seine Songs die Quintessenz einer Interpretation von Southern R/B und einer verkaterten Sackgasse hollywoodscher Filmmusik sind, so verdankt er ihre Entstehung natürlich einer anderen, schlichten und einfachen Einbahnstrasse: Deutschland  – das Land, immer an der Kante der populären Hochkultur, auch  in seinen grössten Phantasien immer dominiert von Amerika. Und doch schafft es gerade dieser Song, seine eigene Nische im Pop-Olymp zu finden – mit Ironie und Leichtigkeit.

B. Burton

„Ich habe mich immer als Tusitala (so nennen die Leute auf den polynesischen Inseln einen Liedermacher ?), als einen Storyteller empfunden. Rikki & Rosi entstand vor dem Hintergrund, dass ich meinem damals 5-jährigen Sohn abends immer irgendwelche Abenteuergeschichten zum Einschlafen erzählen musste. Also begann ich zu einer kinderliedähnlichen Melodie ein bitterböses Lied zu skizzieren, eine Art Moritat. Da gab es auch wunderschön gemalte Erzähltafeln, die wir seinerzeit „Witwe Bolte-mäßig“ im TV einsetzten.“

SW

1990

„Tief im Süden meines Herzens” erscheint, mit den Duetten „Jesse“  &  „Das erste Mal tat’s noch weh“ (in Zusammenarbeit mit Viktor Lazlo ) und wird eines der erfolgreichsten Alben SWs

Tief im Süden meines Herzens, 1989

Die Genauigkeit der Phantasie trifft uns hier ganz sanft und präzise. Herz und Sinne werden von einer Stimme getroffen, die weiss, von was sie  singt:
Im falschen Leben sitzen. Masken tragen. Das ICH verlieren. Das sind auch heute noch aktuelle Themen, untermalt von einer “slide guitar” die uns ry-cooder-mässig verführt.  Stefan Waggershausen hat sich immer auch an die grossen, menschlichen Themen gewagt. Das geht auf seinen “amerikanischen” Instinkt zurück, dass wenn man nichts Grosses macht, man eigentlich überhaupt nichts macht. Man darf hier ruhig auf die Beatles verweisen, unsterblich verliebt in die amerikanische populäre Kultur und damit beschäftigt, ihren eigenen amerikanischen Traum auszuleben. Und doch schielt Waggershausen nie bloss auf Trends oder den aktuellen Zeitgeist, sondern folgt meistens seinem Instinkt als Storyteller. Worauf es ihm vielleicht am stärksten ankommt, sind die Intensität und die Universalität der Reaktion, die ein Künstler bei seinem Publikum hervorrufen kann.  Aber wer weiss, ob “Tief im Süden meines Herzens” eine tiefschürfende Idee ist , oder eine triviale, oder überhaupt irgendeine Idee? Und wen kümmert es ? Die Freude am Pop von Stefan Waggershausen liegt darin, dass er einen durch seine Unmittelbarkeit von solchen Fragen befreit und sie durch seine Kraft provoziert.  Tatsächlich aber hat er sich in diesem Song selbst wieder gefunden – nach Jahren des Kampfes gegen den kreativen Verschleiss durch die technokratisierte Popmaschine. Hier findet er zurück zu seinen Wurzeln. Dass seine Musik ihm nämlich ein sicheres Gefühl gibt, dass sein Potential reicher ist, als er vielleicht selbst geglaubt hatte. Hier findet er zurück zu seinem musikalischem Zuhause, das verloren schien. Durch diesen Sound schweben plötzlich wieder die Geister der Zustimmung,  eine Sehnsucht nach der Musik der “Eagles” & „CSNY“, der Auflehnung und der Ehrfurcht für die eigene Arbeit, des freien Humors und eines magischen Gespürs für Geschichten…..

B. Burton

„Tief im Süden“ war anfangs als Ballade konzipiert, wir haben das dann vom Tempo her doch intensiviert und sicher stand auch etwas CSNY oder Eagles vom Chor her Spalier. Mit Sicherheit auch ein ziemlich autobiographischer Song.

„Jesse“ – die Missing-Child-Thematik hat mich immer fasziniert und ich wollte mal einen Song über das Thema machen, das Ganze lief innerlich zuerst als eine Art musikalischer Film ab – später dokumentiert in dem Video zu Jesse. Durch die herrliche Zusammenarbeit mit Miss Lazlo wurde das dann perfektioniert..“

SW

1988 – 1990

SW konzentriert sich auf die Produktion von TV-Musik (u.a. „Tatort“) und das Songwriting fuer andere Kuenstler. In dieser eher zurueckgezogenen, tourneefreien Zeit arbeitet SW an einer neuen Stilistik eigene Songs und Balladen zu schreiben, die später auf den Alben „Tief im Sueden meines Herzens“  und „Wenn Dich die Mondfrau küsst“ veröffentlicht werden.

1987

präsentiert SW das Album „Im Herzen des Orkans“ 

„Ich hab in mir ne Ueberdosis von dir“ und „Im Auge des Taifuns“ waren sicher wunderbare Songs, doch die Musikwelt in den Tonstudios war im Wandel in jenen Jahren. Computer namens QX1 begannen die Regie zu uebernehmen und handgemachte Musik zu ersetzen. Ich selbst lief durch diese Produktionsweise Gefahr, mich von meinen eigenen Songs zu entfremden. Irgendwie war eine Pause angesagt.“

SW

1985

Das Album „Touché d’amour“ erscheint und im Herbst findet die gleichnamige Tournee statt.

1984

Im September  wird das Doppel-Album „Waggershausen live und ungeschminkt!“ veröffentlicht, ein Mitschnitt der „Mitten ins Herz“ – Tournee des gleichen Jahres.

1983 – 1984

SW tourt mit eigener Band durch Deutschland und die Schweiz. Die Tournee findet im Casablanca Look – Rick’s Cafe lässt grüssen – statt.. SW arbeitet immer wieder mit renommierten Musikern und – ab und an – auch sehr erfolgreich mit außergewöhnlichen Duettpartnerinnen wie bsw. der italienischen Cantautrice Alice bei  dem Titel “Zu nah am Feuer” zusammen. Im Februar 84 erscheint dann das Album „Tabu“.

Zu nah am Feuer
Ist doch bloss ein Popsong, ein Liebeslied, denkt man – und doch stösst dieser Sound in die Tiefe vor. Die Entspanntheit des Duetts  lässt die leidenschaftlichen Absichten der beiden Helden um so schärfer hervortreten: die Ernsthaftigkeit und Einsamkeit der Liebenden wird zur Metapher für die Existenzialien des Lebens, dafür, dass unter der Maske des Füreinander das Gegeneinander gespielt wird. Waggershausen hatte sich hier eindeutig seiner Vorstellung von Songschreibern wie Bob Dylan oder Leonard Cohen verschrieben: kompliziert, gefährlich, lebendig – und mit viel Herzblut. In der einmaligen Mischung aus rhytmischen Gitarren und angejazztem Saxophon, in dem gemeinsamen und doch absolut individuellen Gesang mit der Italienerin Alice  (es war eines der ersten deutsch-internationalen Rock-Pop-Duette), in den halb versunkenen Sätzen und vergrabenen Texten (“Ich bin dein dunkler Cherubim /du die Sphinx im schwarzen Kleid…”) werden Bilder einer exotischen  Idylle geschaffen, mit einer Hoffnung frei zu leben und zu lieben, deren Künstlichkeit und Unwirklichkeit den beiden Liebenden – und dem Fan – Ruhe verschaffen soll. Dieser Song schenkt dem Kerker der Liebe ein Fenster. Etwas angenehmeres kann uns Pop eigentlich nicht geben…

B. Burton

„Das is’n Song, der jahrelang als Solo-Version in meinem musikalischen Eisfach tiefgelagert war, erst mit Alice kam dann der finale Zauber ins Spiel. Plötzlich war da Magie!“

SW

1982

Im Mai wird das Debüt-Album „Traumtanzzeit“ wiederveröffentlicht. Zum Ende des Jahres erscheint die LP „Sanfter Rebell”, parallel zum ersten großen Live Auftritt „Rock-Pop in Concerts“ im ZDF. SW  on Stage in der Dortmunder Westfalenhalle  neben Kollegen wie Chris de Burgh, Randy Newman, Wolfgang Ambros, Lucio Dalla, Sally Oldfield.

1981

Im März erhält SW den deutschen Schallplattenpreis als Künstler des Jahres.  Es gelingt ihm, Rock/Popsongs gleichwertig mit intelligenten Texten zu verknüpfen (so die Deutsche Phono-Akademie in ihrer Begründung). Im September wird das Album „Hallo Engel“ mit der Goldenen Europa ausgezeichnet. Das Album „Hallo Engel“ erreicht Gold-Status. Noch im selben Jahr erscheint das düstere, eher in moll gehaltene Album „Fang mich auf“. „Ein Album über Verlierer & Unabhängige, melancholisch & ironisch.“ so die Kritik.

Es geht mir gut
Wunderbar wie geradlinig dieser Song in die “Zukunft” stampft, als ob da vorne am Horizont irgendwas Goldenes zu finden wäre. Es ist ein Liebeslied, und was für eines: Der Held singt von einem Leben dass er nur noch defensiv lebt. Er hat böse Visionen, alles ist grau, er ist fast schon tot. Doch dann kommt es: ES GEHT MIR GUT!  Ja, es geht ihm gut… Es steckt etwas extrem Befriedigendes in diesem einfachen Kommentar. Hier besitzt also einer den  Willen und die Fähigkeit seine düstere Realität zu ignorieren. Dieser Song will nur eines: Nach vorne! Die E-Gitarre brettert, eine Hammond-Orgel hebt uns  über alle Hindernisse weg, lässt uns das  Label “No Future” mit Exklusivität tragen. Langsam verliert man den Kontakt zur bösen Welt,  man gewinnt wieder den Genuss und die  Vorstellung, dass es wert ist, zu leben und zu lieben. Dieser Song weiss von den Gefahren der Melancholie, der Hoffnungslosigkeit, darum stampft er locker nach vorne – meinetwegen sogar zynisch, mit einer fast blasierten, betrügerischen Art des Pessimismus. Aber hier schafft Stefan Waggershausen eben das Kunststück:  In der damaligen Welt, anfangs der achtziger Jahre – eine Kasernensensibilität macht sich breit, die alle Gefühle auf Distanz hält – schafft er eine Fantasie die nach vorne tost, die in aller Verzweiflung Trost in der Vertrautheit sucht….klar doch:                  
ES GEHT MIR GUT!  

B. Burton

„Ich hatte durch all die Misserfolgsjahre zuvor die eher bitteren Seiten des Musicbusiness bereits kennengelernt und da lässt man sich durch so’n bissel Erfolg doch nicht mehr kirre machen. I learned my lesson well, zumindest die ersten Lektionen…. Das hat sich sicher auf diesem Album niedergeschlagen. Neben dem Halleluja wartet auch immer der Blues!“

SW

1980

SW feiert mit dem Album „Hallo Engel“ seinen Durchbruch in der deutschen Musikszene.

Hallo Engel
Die Träume verschleissen sich, lösen sich auf, indem die (böse) Welt sich mit ihren Versionen von Wirklichkeit über die eigenen Träume lustig macht. Leichtigkeit ist die einzige Antwort…..
“Hallo Engel” ist der wunderbar widersprüchliche Song über die Vergänglichkeit, die Angst vor dem Tod, aber vor allem  eine Liebeserklärung an die Lässigkeit des Lebens, take it easy! Ein extrem entspannter Song über die Sehnsucht  nach einer Idylle namens Pop und den guten alten Helden der Rock- und Filmgeschichte. Was in den sechziger Jahren nach einer Chance aussah, neue Formen des Lebens zu finden, endet durch eine Flucht in die Privatheit und den Zynismus; die gemeinsame Kultur, die aus einer Liebesaffäre mit den Beatles, den Stones, Doors und den vielen anderen Helden der Populärkultur entstanden war, hat sich in die Nostalgie oder den Nihilismus verflüchtigt.
“Hallo Engel” entsteht zu Zeiten einer Wut namens Punk. 1980 war kein leichtes Jahr. Vielleicht haben viele damals noch gehofft,  ”Tequila sei für Engel tabu….” Doch längst gab es keine Tabus mehr. Alles wurde von dem destruktiven Glauben “Punk”  flachgelegt – was kulturhistorisch natürlich verständlich ist.  Pop braucht Selbstzerstörung.  Pop braucht Erneuerung. Pop braucht Mythos. Pop braucht aber auch vor allem den guten alten Traum von einer heilen Welt, die  von  Leichtigkeit erzählt, mit der man das Leben meistern kann. Stefan Waggershausen schuf mit “Hallo Engel” inmitten all des offensichtlich Negativen und den falschen, vorgetäuschten Hoffnungen  einen Augenblick der Klarheit. Die deutsche Presse nannte “Hallo Engel” den “Anmachersong des Sommers 1980″.  SW schien  auf nonchalante Weise mit den kulturellen und politischen Trümmern, die sich damals auf den Strassen, in den Medien und in den Plattenläden aufgetürmt hatten, aufzuräumen. Bei aller ironischer Düsterkeit dessen, was er zu sagen hat und wie er es sagt, schenkte er uns in diesem  Song  die Art von Kraft und entspannter Ehrlichkeit, die einen dazu veranlassen könnte, wieder richtig neu anzufangen und an das Gute im Leben und in der Liebe zu hoffen…….
B. Burton

„Hallo Engel war meine persönlich Hommage an den Rock’n’Roll-Himmel 1980. Natürlich sind mittlerweile  jede Menge neue Bewohner im Rock’n’Pop-Olymp dort oben angekommen, allein wenn ich an den Club 27 denke ..“
SW

 

1976 – 1980

SW arbeitet beim Sender Freies Berlin (SFB) und RIAS als Radiomoderator. In diesen Jahren begegnet SW als Radio-DJ und als Musiker internationalen Kollegen wie bsw. Bryan Ferry, Allan Clarke (Hollies), Peter Sarstedt, Marianne Faithfull etc. Diese „Musik-Rendezvous“ und die breite Palette an Musikkultur prägen SW auch als Autoren. Bereits während der Moderationszeit fuer Sendungen wie SFBeat, SoftRockCafé und Nachtcafé beginnt SW mit der Produktion des  späteren „Engel–Albums“. Der Zeitgeist fluestert mit den Dire Straits „Sultans of Swing“…

1973 – 1975

Die Produktion des SW Debüt-Albums „Traumtanzzeit“ (VÖ 1975) findet in Hamburg aber vor allem auch in England statt. Ein Hauch von Swingin London liegt damals noch immer in der Luft… .

1971

SW zieht zum Studium nach Berlin. Dort arbeitet er außerdem als Regie-Assistent beim TV und präsentiert erstmals seine eigenen Lieder in Clubs.

1967-1969

Erste Live-Auftritte. SW covert Songs der Beatles, Kinks & Dylan. Die Arbeit an den ersten eigenen Liedern beginnt. Waggershausen sitzt im Sommer an den Ufern des Bodensees & gibt mit seiner 12-string-Guitar seine ersten Bodensee-Hippie-Songs zum Besten.

1949

Geboren am 20. Februar, Friedrichshafen / Bodensee  … Lac de Constanze Im Hintergrund läuft in jenen Tagen Vaughn Monroe mit „Riders in the sky“